Apfelstrudel in der thailändischen Provinz

Viele kulinarische Gelüste auf europäische Küche können einen plagen, wenn man bereits mehrere Jahre als Farang, also „Fremder“, mit seiner Familie in Thailand lebt. Ganz überraschend kam der Wunsch meines Bruders also nicht – nachdem sämtliches Weihnachtsgebäck vernichtet war – einen leckerer Apfelstrudel aufgetischt zu bekommen.

Trotz der Tatsache, dass der Apfel ursprünglich aus (Vorder-)Asien stammt und eine enorme Sortenvielfalt besaß, werden in Thailand neben dem säuerlichen, aber weitestgehend geschmackfreien Granny Smith überwiegend süße Äpfel angeboten. Die klassischen, zum Backen geeigneten „alten“ Züchtungen wie Cox Orange und Boskoop oder einen Elstar gibt es hier nicht. Aus diesem Grund führte mein erster Weg in diverse Supermärkte und auf den Wochenmarkt (Talat). Ich kaufte alle verfügbaren Apfelsorten und probierte diese erstmal roh, dann gekocht. Dabei kam heraus, dass neben dem chinesischen Fuji nur noch der Royal Gala gut geeignet war. Beide haben zwar nicht viel Säure, werden aber beim Dünsten langsam weich, sodass sie sich zum Backen eignen.

Apfelstrudel, frisch aus dem Ofen

Apfelstrudel, frisch aus dem Ofen

Der zweite Schritt war dann die Auswahl des Teiges. Einen klassischen Strudelteig hätte ich hier gut herstellen können, mein Bruder wollte aber einen Blätterteig. Da es nahezu unmöglich ist, bei 37 Grad in der Küche längere Zeit mit kalter Butter zu arbeiten, musste ich auch hier etwas suchen. Nach ein oder zwei vergeblichen Anläufen fand ich im spezialisierten Backbedarf eine Packung Puff Pastry.

Die nächste Hürde stellte der einflammige Gas-Backofen in der Küche meines Bruders dar. Es bedurfte einiger Tricks, dass der Strudel nicht unten anbrannte und auf der Oberseite leichenblass blieb. Das ist mir sehr gut gelungen, wie ich finde… 🙂

Nun noch zur Zubereitung: Die Äpfel habe ich geschält und gewürfelt und mit dem Saft der Zitrone beträufeln. Anschließend mit Zimt und Zucker bissfest dünsten, dann die gestiftelten Mandeln unterheben. Die Apfelmasse abkühlen lassen. Da ich keinen bereits ausgewalzten Blätterteig bekommen konnte, musste ich meinen in der Zwischenzeit erst einmal ausrollen. Wer bereits gerollten Teig bekommt, verwendet natürlich gerne diesen. Das mittlere Drittel, wo die Äpfel platziert werden sollen, mit Panko bzw. Paniermehl bestreuen. Die abgekühlte Apfelmasse auflegen, dann den Blätterteig von beiden Seiten überlappend schließen und quer einschneiden.

Milch und Eigelb verquirlen und die Oberseite des Strudeln damit flächig bestreichen. Den Strudel im vorgeheizten Backofen bei 200°C Ober-/Unterhitze ca. 30 Minuten goldbraun backen. Aber Achtung: jeder Backofen ist anders, Temperatur und Bräunung bitte gelegentlich prüfen. Nach dem Abkühlen den Strudel reichlich mit Puderzucker bestreuen.

Meine thailändische Familie war vom Ergebnis begeistert und hat den Strudel zusammen mit einer selbstgemachten Vanillesoße ruckzuck verspeist.

Apfelstrudel im Anschnitt

Apfelstrudel im Anschnitt

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