Rom: Trastevere Food-Tour

eating_italyWenn Foodies reisen, dann wird das Internet vorab durchforstet, was das Zeug hält: Yelp Eselsohren werden gespeichert, Facebook-Seiten geliked und alle möglichen Anthony Bourdain Folgen zu Stadt oder Region durchforstet. Zumindest sehen unsere Reisevorbereitungen durchaus so aus. Uns läuft quasi bereits Wochen vor der Abreise das Wasser im Mund zusammen. Meist landen dabei auch deutlich mehr Restaurants und Cafés auf unserer Liste, als wir wirklich besuchen können, man will ja vorbereitet sein! 😉

Für Rom haben wir unsere Foodie-Leidenschaft um ein Vielfaches verstärkt ausleben können, denn wir haben dank EATING ITALY gleich eine ganze Food-Tour durch Trastevere, ein aufstrebendes Viertel abseits des regulären Touristenstroms, machen können. Es war wirklich köstlich und wir haben gleich noch eine Menge über Produzenten und Produkte gelernt. 🙂

Sebastiana, gebürtige Sizilianerin, in den USA aufgewachsen, zeitweise in Barcelona gelebt und Gründungsmitglied der EATING ITALY TOURS ROME empfing uns in einem kleinen verschlafenen Café mitten in Trastevere, abseits der üblichen Attraktionen und Reisebusse. Nach einer kleinen Vorstellungsrunde (neben uns eine Familie aus Mill Valley/San Francisco, ein Paar samt Freundin aus Toronto und eine weitere Freundin aus London) mussten wir alle DAS italienische Gericht benennen, das wir auf eine einsame Insel mitnehmen würden… bei mir ganz klar Pasta Carbonara!

Frühstück

Nach der Vorstellungsrunde hatten wir gerade einmal einen Weg von ca. zwei Metern zurück zu legen bis zu unserer ersten Station: die PASTICCERIA TRASTEVERE. Als Frühstücks-Nation sind die Italiener ja nicht so berühmt. Eine Tasse Kaffee und ein meist süßes Gebäckstück müssen reichen. Daher gab es hier zum Auftakt traumhaft luftige Bignés mit Zabaglione-Füllung. Aber auch Cornettos und Kekse aller Art findet man hier. Wer es noch nicht weiß: in Italien zahlt man Gebäck in der Regel nicht nach Stück, sondern nach Gewicht…

Die Bignés waren jedenfalls ein perfekter süßer Start in unsere Food-Tour.

PASTICCERIA TRASTEVERE
Via Natale del Grande, 49
yelp

Käse

Weiter ging es… zur nächsten Kreuzung und einmal rein in den nächsten Laden. Die ANTICA CACIARA ist ein wunderschöner kleiner, familiengeführter Laden, der neben Käse und Wurst auch alles im Angebot hat, was das italienische Herz begehrt: Pasta, Wein, Öl, … Warum also in große Supermärkte fahren, wenn man alles in der Nachbarschaft hat und der Verkäufer einem sogar noch die Namen der Schafe nennen kann, von denen der Käse stammt. Ja genau das ist hier der Fall, denn der verkaufte Pecorino Romano stammt tatsächlich von den Schafen des eigenen Bruders.

Hier durften wir zwei Käsesorten gegeneinander testen:

  • Parmesan, oder besser Parmigiano Reggiano
  • Pecorino

Was mir bis dahin auch nicht ganz klar war: wir Deutschen reiben ja immer gerne Parmesan über unsere Pasta – die Römer nehmen selber lieber Pecorino, da dieser salziger ist. Der geschmacklich intensivere aber auch deutlich teurere Parmesan wird dagegen lieber am Stück zu einem Glas Wein genascht.

ANTICA CACIARA
Via di San Francesco a Ripa, 140
yelp

Supplì

Kaum aus der Tür heraus und nochmal gefühlte 3 Schritte weiter gab es dann den ersten Mittagssnack – und diesen ganz stilecht auf die Hand. Supplì (und ihre größeren Verwandten, die Arancini) sind bei uns nicht wirklich sonderlich bekannt. Ich selbst hab sie auch erst vor ein paar Jahren in der Toskana das erste mal probiert. Arancini sind die sizilianische Variante der gefüllten Bällchen aus Risotto, die mit einem Ragu oder Käse gefüllt und in einer Panade frittiert werden. Bei den Supplì handelt es sich um einen Reis, der bereits mit Sugo gekocht bzw. vermischt wird. In der Mitte des Bällchens findet sich zudem noch ein Kern aus Mozzarella (durch das Frittieren schön angeschmolzen). Mein absolutes Highlight auf dieser Tour, denn ich liebe Käse und der Reis war wunderbar fruchtig durch die Tomatensauce.

I SUPPLÌ
Via di San Francesco a Ripa, 137
yelp

Porcchetta

Was bisher auf unserer Speisekarte noch fehlte: ganz klar Fleisch! 😀 Dem hat Sebastiana aber dann auch gleich in der ANTICA NORCINERIA mit einem Porchetta-Sandwich Abhilfe geschafft. Wunderbar saftiger Spießbraten, der hauchdünn geschnitten auf einer Pizza Bianca (weiße Pizza, ohne Tomatensauce, nur mit Olivenöl und Salz bestrichen) serviert wurde. Die Mehrheit unserer Gruppe kürte diesen Stopp auch zum Highlight der Tour mit insgesamt vier Stimmen (man bedenke: drei Personen haben kein Fleisch gegessen…). Der Braten wird auch tatsächlich von der ANTICA NORCINERIA selbst gemacht: gewürzt und 6 Stunden über dem Holzkohlefeuer langsam gegrillt. Da schmeckt man die gute Qualität des Fleisches und die gute Zubereitung. Wahnsinnig lecker!

ANTICA NORCINERIA
Via Natale del Grande, 16

Obst & Schinken

Nächster Halt: Markt. Mitten in Trastevere findet sich ein kleiner Nachbarschaftsmarkt, dessen Stände bereits seit mehreren Generationen in den Händen der selben Familien sind. So konnten wir auf dem MERCATO DI SAN COSIMATO gleich drei Generationen einer Händler-Familie begrüßen und uns von ihnen mit etwas Obst und Schinken verwöhnen lassen. Zu den Obstspießen aus Melone und Erdbeere wurden uns zwei Schinken gereicht:

  • Prosciutto di Parma (der Klassiker)
  • Prosciutto di Bassiano (aus der Region Latium rund um Rom)

In der Kombination, aber auch einzeln absolut lecker. Kleine Anekdote am Rande: Unsere Mitfutternden aus Toronto waren mehr als schockiert, dass der Marktstand nebenan doch tatsächlich Pferdefleisch verkaufte. Für uns als Rheinländer, die zumindest die Tradition des Sauerbratens aus Pferdefleisch kennen, kein wirklicher Schock. Doch es war lustig, dies mit anzusehen und zu hören… 😉

SAN COSIMATO MARKET
Piazza di San Cosimato

Eis

Nach der ganzen Futterei wurde es dann auch endlich einmal Zeit für eine kleine Verschnaufpause: ein Eis musste her. Denn Eis geht ja bekanntlich immer und in Italien – so Sebastiana – durchaus auch zwei mal am Tag.

Sebastiana machte mit uns einen kleinen Exkurs in die Eiskunde, denn nicht überall gibt es gutes bzw. „echtes“ Eis. Viele Gastronomen rühren ihr Eis nur aus Pülverchen an und stellen somit kein ECHTES Eis mehr her. Auch in Italien gibt es hier durchaus Beispiele für. Aber es gibt zwei Eissorten, an denen man gut erkennen kann, ob das Eis handgemacht oder mit Zusatzstoffen versehen ist:

  1. Pistazie: ist nie giftgrün sondern eher bräunlich-grün mit einem eher erdigen Ton. So wie Pistazien eben aussehen. Wenn ich ehrlich sein soll, weiß ich garnicht, ob ich in Deutschland schonmal „echtes“ Pistazieneis gegessen habe. Ich glaube, ich kann mich hauptsächlich an grünes Eis erinnern, das mir nichtmal schmeckt. Aber hier bin ich wirklich ein Fan von Pistazieneis geworden.
  2. Banane: sind nicht gelb, denn wir essen ja nicht die Schale, sondern nur das, was sich darunter verbirgt… entsprechend ist das Eis auch eher bräunlich, denn es werden sehr reife Bananen für die Zubereitung verwendet.

Bei FATAMORGANA haben wir neben den Klassikern auch eher ungewöhnliche Eis-Kompositionen ausprobieren können. Und es hat sich wahrlich gelohnt.

Ich hatte: Basilikum, Walnuss, Honig und Zimt
Sven hatte: Weiße Mandel und Melone

FATAMORGANA
div. Standorte
Homepage

Wein & Pasta

Nach einem etwas längerem Spaziergang sind wir dann mehr oder weniger erneut hungrig in einer Weinbar eingekehrt. Zunächst wurden wir in den Weinkeller geführt, der mehr als 12.000 Flaschen Wein beherbergt. Dort gab es eine kurze Einführung durch die beiden Schwestern Ferrara, die seit über 25 Jahren ihre Gäste kulinarisch verwöhnen ohne ihre Bodenständigkeit zu verlieren.

Und dann war nach den ganzen Snacks endlich Zeit für das Mittagessen! 🙂 Wir bekamen wunderbare selbstgemachte Pasta: Trofie liguri mit Pesto Genovese, Tonnarelli Cacio e Pepe, Ravioli con Ricotta. Während die beiden ungefüllten Nudeln trotz der Einfachheit der Zubereitung durch die Qualität der Zutaten bestachen, waren die gefüllten, mit einer wunderbar ausgewogenen Tomatensoße servierten Ravioli ein absoluter Traum. Noch nie haben wir eine solche fluffige und zart schmelzende Füllung in einer Nudel essen dürfen. Das Spiel von Säure und Süße in der Soße harmonierte bestens zur Pasta. Einfachheit sticht auch hier Chichi. Dazu wurden – ebenfalls ganz bodenständig – der „Hauswein“ in Weiß und Rot sowie Wasser serviert.

ENOTECA FERRARA
Piazza Trilussa, 41
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Kekse

Vollkommen glücklich und zufrieden rollten wir uns dann noch in eine Backstube, in der in einem monströsen, die Dimensionen des kleinen Ladens eigentlich sprengenden Backofen (oder besser Backstraße) köstliche Kleingebäcke produziert. Frisch aus dem Ofen durften wir dann Brutti e Buoni, eine in ganz Mittelitalien sehr beliebte Nußmakrone mit etwas unförmiger Optik (daher der Name) und Zitronenkekse mit Aprikosenfüllung probieren. Beide sehr lecker… 😛

BISCOTTIFICIO ARTIGIANO INNOCENTI
Via della Luce, 21

Dessert

Der Abschluss der Tour war dann noch eine römische Abwandlung der Creme brulee in einem Restaurant namens Spirito di Vino, in dessen Gemäuern bereits vor 2000 Jahren eine jüdische Synagoge beheimatet war und das zu den Gründungsvätern der Slow Food Bewegung gehört. Auf dem Niveau des ehemaligen Erdgeschosses befindet sich heute ein großer Weinkeller mit feuchtem aber überaus konstantem Klima. Zum Schutz vor Überschwemmungen wurde das Straßenniveau über die Jahrhunderte immer weiter angehoben, was an den verschiedenen Schichten Mauerwerk im heutigen Keller ablesbar wird. Ein überaus interessantes Stück römischer Geschichte, das den Nachtisch leider überstrahlte.

SPIRITO DI VINO
Via dei Genovesi, 31 a/b
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